"Rheingold": Faszinierend auch in Modellgröße

Von (sb) 14.08.2014 - 11:24 Uhr

Schramberg - Im Schwarzwald-Eisenbahnmuseum im Gewerbepark H. A.U. befindet sich inzwischen in beeindruckender Modellgröße auch ein wahrer Schatz der deutschen Schienenverkehrs-Geschichte.
Am 15. Mai 1928 fuhr der berühmteste Expresszug der Deutschen Reichsbahn erstmals zwischen Hoek van Holland und Basel. Er galt als der schönste Zug Deutschlands. Da er auf seiner Fahrt größtenteils dem Rheinlauf folgte, wurde ihm in Anlehnung an die bekannte Sage der Name "Rheingold" gegeben.

Mit seinen violett/elfenbeinfarbenen Pullman-Wagen war er bei jedem Halt eine Sensation, und nicht selten erwarteten ihn die Menschen unterwegs an den Gleisen und winkten ihm zu. Mit dem Rheingold-Express reagierte die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft auf die Konkurrenz im Verkehr Niederlande – Schweiz durch den ebenfalls 1928 eingerichteten und deutsche Strecken umgehenden Schweizer Pullman »Edelweiß«. Um ihm gegen wettbewerbsfähig zu sein, wurden ebenfalls Wagen nach dem Pullman-Prinzip als besonders komfortable Großraumfahrzeuge mit einzelnen Abteilen beschafft, die in der ersten Klasse mit losen Sesseln ausgestattet wurden.

Wie die Pullmanwagen der Konkurrenz waren diese Wagen zur Versorgung der Reisenden mit Speisen und Getränken zum Teil mit einer Küche ausgestattet. Das hatte allerdings auch Beschwerden über Küchendämpfe zur Folge. Die Inneneinrichtungen der Wagen wurden von angesehenen Künstlern und Architekten entworfen, ein stilistischer Einfluss des legendären Bauhauses war unverkennbar. Hervorzuheben ist, dass die einzelnen Wagen äußerlich ein einheitliches Bild boten, im Inneren jedoch durchweg anders gestaltet waren. Wände und Decken wurden mit unterschiedlichen Hölzern vertäfelt oder mit Stoffen bespannt.
Der "Rheingold" führte zu einer Zeit, in der es noch drei Wagenklassen gab, nur die erste und zweite Wagenklasse. Der Zug setzte sich grundsätzlich aus mindestens einem Wagen erster Klasse mit 28 Plätzen, einem Wagen erster Klasse mit 20 Plätzen und Küche, einem Wagen zweiter Klasse mit 43 Plätzen, einem Wagen zweiter Klasse mit 29 Plätzen und Küche, einem Gepäckwagen mit Zollverschluss- und Hundevorrichtungen zusammen.

Von einer Küche aus wurden jeweils zwei Wagen versorgt. Speisen und Getränke wurden direkt am Platz serviert. Das Speiseangebot umfasste beispielsweise pochierte Eier mit Gänseleberragout oder Rehsteaks mit Wacholdertunke und Morcheln. Korrespondierend zur gehobenen Wagenausstattung und dem Speisenangebot bediente man sich edlen Porzellangeschirrs und Silberbestecken. Die Wagen waren als äußerliches Zeichen ihrer Exklusivität in den Farben violett-beige mit silbergrauem Dach lackiert. Bewirtschaftet wurde der Zug durch die Mitropa.

1939 musste der Zugverkehr kriegsbedingt eingestellt werden. Anfang der 50er Jahre wurde der Betrieb wieder aufgenommen, allerdings wurde das Interieur immer wieder dem jeweiligen Zeitgeist angepasst.

Eine Reise mit dem Rheingold-Express war damals so populär, dass sogar der damalige Kanzler Konrad Adenauer 1953 seine Wahlkampftour im Rheingold-Express absolvierte und erdrutschartig wiedergewählt wurde.

Einer Anekdote zur Folge soll Adenauer als er noch in Vormauerzeiten im Rheingold-Express fuhr, ab dem ostdeutschen Magdeburg immer die Vorhänge zugezogen haben, um »diese sibirische Steppe“« nicht ansehen zu müssen.

Angela Merkel tat es Adenauer gleich und ging 2009 im Rheingold Express erfolgreich auf Wahlkampftour. Sie zog natürlich nicht die Vorhänge zu. Im Jahr 1987 musste der Rheingold-Express dem technisch moderneren Euro-City- Zug weichen. Der Rheingold-Express wird nur noch zu Sonderfahrten eingesetzt.

Quelle: https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-rheingold-faszinierend-auch-in-modellgroesse.e6cedd36-9057-441a-b8af-19b8da74ea43.html

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