Volle Power am Gleis

Von Schwarzwälder-Bote 18.07.2016 - 16:45 Uhr

Die neue Sonderausstellung des Eisenbahnmuseum Schwarzwald in Schramberg trägt den Titel: "Vorsicht Hochspannung am Spielzeuggleis! – Elektrische Eisenbahnen vor 100 Jahren".
Man staune: Zur Zeit um 1910, als es im normalen Haushalt weder Radio, Kühlschrank noch Waschmaschine gab, sondern nur elektrisches Licht haben schon die ersten elektrischen Eisenbahnen ihre Runden gedreht.

Als vor über 100 Jahren langsam die Elektrizität Einzug in die Wohnzimmer hielt, erkannten die Spielzeughersteller anspruchsvoller Marken, allen voran Märklin in Göppingen, dass man mit elektrischem Strom aus dem Haushaltsnetz ausdauernder, interessanter und komfortabler spielen konnte als mit "Aufzieheisenbahnen" oder Spiritus beheizten Dampflokomotiven.

Der besondere Reiz dieses Antriebs bestand darin, dass die Züge im Gegensatz zum Uhrwerk- oder Dampfbetrieb pausenlos und ferngesteuert fahren konnten. Über die Gefährdung beim Betrieb der Bahnen hatte man sich zu dieser Zeit noch keine allzu großen Sorgen gemacht. Immerhin hatte man es beim Spielen systembedingt mit freiliegenden elektrischen Polen und nicht reduzierter Haushaltsnetzspannung an den Blechschienen zu tun. Bei Zugentgleisung musste daher zuerst die gesamte Anlage vom Netz getrennt werden, anderenfalls drohte bei unbedachten Arbeiten an der Anlage ein gefährlicher Stromschlag.
Ohne die Gefahren für die Kinder herunterspielen zu wollen, diese Spielzeuge waren sehr wertvoll und kostspielig und fuhren eher durch die Stuben wohlhabender Familien für wohlerzogene Kinder und sehr wahrscheinlich überwiegend unter Aufsicht technisch versierter und interessierter Väter. Es sind keine Überlieferungen von tödlichen Unfällen, die durch das Spielen mit der elektrischen Eisenbahn erfolgt wären, bekannt. Und so wurden diese Bahnen bis 1927 hergestellt und vertrieben.

In der neuen Sonderausstellung geht es jedoch nicht um den Starkstrombetrieb allein (auch wenn dieser im Museum bislang eine Einzigartigkeit darstellt), vielmehr geben die gezeigten Objekte auch Zeugnis von der sehr aufwendigen und soliden Gestaltung damaligen Spielzeuges, am Beispiel der Eisenbahnen. An Ausstattung wurde nicht gespart.

Die älteste Starkstromlokomotive hatte einen Lokführer, Bahnhöfe hatten Publikum und Kerzenbeleuchtung, Signale kleine Petroleumlämpchen. Allen Teilen gemeinsam ist die sehr aufwendige, schmuckvolle Farbgestaltung der zusammengelöteten Blechkörper: Grundierung durch Tauchlackierung, darauf kunstvolle Bemalung mit allerfeinster Pinselhandschrift und abschließend ein Tiefenwirkung erzeugender Schelllacküberzug.

So gibt die kleine Ausstellung nicht nur eine sehr selten gewordene technische Funktion wieder, sondern auch das Flair dieser Spielzeuge. Zudem folgen die Exponate der technischen Entwicklung von 1900 bis 1925, ergänzt mit einem winzigen Ausblick in die 1950er-Jahre. Diese einzigartige historische Sammlung wurde einem Freiburger Sammler zusammengetragen und wird nicht nur eingefleischte Eisenbahnfreunde in Erstaunen versetzen. Eröffnung der Sonderschau ist am Freitag, den 22. Juli um 19 Uhr in das Eisenbahnmuseum Schwarzwald im Gewerbepark H.A.U. 22. Die Sonderausstellung kann bis zum 31. Januar 2017 zu den Öffnungszeiten des Museums angeschaut werden: Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr.

Quelle: https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-volle-power-am-gleis.fd43851b-1302-4ac4-a97a-e8a7c9f9385c.html

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